Warum die erfolgreichsten Influencer Opfer bringen – und ich dazu nicht bereit bin
In den letzten Tagen und Wochen habe ich viel darüber nachgedacht, wo das Thema „Blog“ eigentlich für mich hinführen soll. Ich war immer recht klar mit meinen Zielen und die letzten Jahre hat sich mein kleines Projekt von Jahr zu Jahr immer positiver entwickelt. Ich startete mit 16 und damals noch auf Blogspot, um über die Jahre hinweg immer professioneller zu werden, auf WordPress umzuziehen und das ganz sogar zu meinem Beruf – erst nebenbei, und dann vollständig – machen zu können. Ich habe die letzten vier, fünf Jahre den Blog neben meinem Studium balanciert; besonders in den letzten 12 Monaten jedoch hat sich der Fokus stark auf meine Arbeit hier und weg vom Masterstudium entwickelt. Das bedeutet nicht, dass ich letzteres vernachlässigt habe, sondern schlicht, dass ich am Ende einfach doppelt arbeiten musste, um meine Herzensangelegenheit (das hier!) und meinen Job mit dem Studium, für das ich mich verpflichtet habe und welches ich erfolgreich beenden will, in Einklang zu bringen.
Decisions, Decisions…
Nun stehe ich langsam an einem Scheideweg. Mein Studium endet im Spätsommer dieses Jahres – und es folgt kein weiteres, wie es 2016 der Fall gewesen ist, sodass ich mich nicht auf dem Gedanken ausruhen kann, oder darf, dass meine Zukunft erst einmal gesichert ist. Ich bin froh und dankbar, dass ich auch ein zweites Studium hinten dran hängen durfte – aber sein wir mal ehrlich – nach 13 Jahren Schule und weiteren 5 Jahren Uni, ohne Pause zwischendurch, bin ich mit der Lernerei so langsam wirklich durch. Will Taten, statt Theorie.
Ich werde gezwungen, mich damit auseinander zu setzen, was im Herbst geschieht. Aktuell steht es um den Blog so positiv, dass ich mir gut vorstellen kann, mich ein paar Monate nur darauf zu konzentrieren. Doch – und damit kommen wir zum Titel dieses Beitrags – weiß ich, dass darin nicht für immer meine Zukunft liegen wird. Dass ich nicht für immer der Vollblut Influencer sein werde, nach dem vielleicht von der ‚Gesellschaft‘, der Zielgruppe, verlangt wird. Das hat einfache Gründe, und diese heraus zu filtern und mich selbst zu reflektieren, hat es mir umso deutlicher gemacht.
The Perks of being an Influencer
Ich lasse euch seit mittlerweile fast neun Jahren an meinem Leben teilhaben. Teile Gedanken, Looks, Reisen und Gefühle mit euch, ja. Langjährige Leser haben durch die Blume Höhen und Tiefen mitbekommen. Trennungen, Schulabschlüsse, Umzüge, Auslandsaufenthalte. Und doch – bin ich nicht bereit, mein ganzes Leben nach dem Influencer Dasein zu richten. Verbringe lieber Zeit mit meinem Freund auf der Couch, als von einem Blogger-Event aufs nächste zu hüpfen. Bin zu faul, jedes Essen, jede noch so kleine Aktivität in meinen Stories zu teilen – und denke häufig sogar erst daran, wenn es längst zu spät ist. Ich habe – trotz des Modeaspekts hier und zahlreichen Einladungen zu den entsprechenden Saisons – keinerlei Interesse an Fashionweek-Besuchen – und wenn ich an die Friss-oder-Stirb-Attitüde mancher Bloggerinnen denke, wird mir schlecht. Ich habe keine Lust, in Krankheit oder während seltener und doch vorhandener, mieser Tage meine Gefühle mit euch zu teilen. Für mich ist es nicht oberflächlich, nur gute Momente in den Ring zu werfen. Ich entscheide schließlich, wie weit ich gehen möchte und bin nicht bereit, mich wie ein offenes Tagebuch vor die Füße anderer zu schmeißen. Ich will nicht in den Strudel kommen, dass mir Follower schreiben, wenn ich mal etwas weniger in den Stories zeige, möchte nicht in den Zugzwang kommen, etwas posten zu müssen, einfach weil meine Aktivität dies normalerweise verlangt.
Ich bin nicht der größte Blogger, der bekannteste Influencer unter der Sonne – und habe doch ein gewisses Level an Bekanntheit, eine bestimmte Positionierung in diesem Business erreicht. Bin ein alter Hase der Szene. Und, da bin ich mir sicher, ich könnte schneller voran kommen, mehr Einfluss gewinnen, wenn ich bestimmte Opfer bringen würde, noch mehr Privates zeigen und noch mehr Zeit investieren würde. Und dazu bin ich einfach nicht bereit.
… und die wirklich wichtigen Momente
Die schönsten, wichtigsten, bleibendsten Momente passieren für mich außerhalb von Bildschirmen. Mit Menschen, die meine Socialmedia-Aktivität zwar anerkennen und unterstützen, jedoch selbst eher wenig damit zu tun haben. Ich möchte nicht während jeder Date-Night, bei Mädelsabenden oder Zeit mit der Familie, andauernd mein Smartphone in der Hand haben und mit filmen, was ich gerade so mache. Möchte Augenblicke für mich behalten, ohne sie zu teilen. Und ich weiß, dass genau das der Preis für erfolgreicheres Bloggen ist. Je mehr du gibst, desto mehr bekommst du – Follower, Leser, Likes, Aufmerksamkeit. Aber ich bin ganz ehrlich – dieser Preis ist mir zu hoch. Wenn ich mich zwingen muss, mehr zu teilen, als ich möchte – dann läuft es in die falsche Richtung, und das will ich nicht.
Ich freue mich wahnsinnig über jeden neuen Leser hier, jeden lieben, von Herzen kommenden Kommentar, jeden neuen Follower auf Instagram und ja, natürlich – wachsende Aufmerksamkeit mit meiner Socialmedia-Präsenz. Und doch – bitte in meinem Tempo. Wenn es ganz automatisch läuft, mit dem Anteil an Arbeit und Privatsphäre, den ich bereit bin zu geben – bitte, gerne, mehr. Doch bin ich nicht bereit, mich völlig danach zu richten, nur um Ruhm zu ernten. Eigene Grenzen zu überschreiten, nur um Klicks und Likes zu bekommen. Wenn dies die Hürde zum außerordentlichen Erfolg ist, dann bin ich nicht bereit, sie zu nehmen.
Zukunftsmusik!
Ich möchte diesen Blog hier nicht aufgeben – ich könnte nicht weiter entfernt sein von dieser Entscheidung und habe ganz im Gegenteil vor, euch noch viele Jahre und vielleicht Jahrzehnte (wer weiß!) an meinem Leben teilhaben zu lassen. Euch meine täglichen Outfits zu zeigen und für mich selbst festzuhalten, wie sich mein Stil verändert. Mit euch meine Reisen um die Welt zu rekapitulieren und meine Gedanken zu teilen. Vielleicht irgendwann mal in meine Hochzeitsplanung einzuschließen, weitere Wohnungen und Umzüge miterleben zu lassen und iiiirgendwann einmal (in welcher Form auch immer) an meinem Familienleben teilhaben zu lassen. Zukunftsmusik, ja. Aber ganz bestimmt in meinem Sinne.
Vielleicht muss ich ein wenig kürzer treten, versuchen, meinen Blog, welcher schon lange aus den Kinderschuhen raus ist, mit welchem Job auch immer in Zukunft zu vereinbaren. Abwägen, inwieweit ich langfristig zu dem ganzen Business dazu gehören möchte und wie ich meine Schwerpunkte setzen will.
http://lookbook.nu/look/8981632-Petit-Bateau-Grey-Turtleneck-Zara-Leather-Skirt
Ich habe ganz frei meine Gedanken herunter geschrieben – ein bisschen ungeordnet und ohne Struktur. Wahrscheinlich kommt so der Gedankengang, mit dem ich mich beschäftigt habe, am authentischsten rüber – ich hoffe, ihr könnt mir folgen. Ich bin gespannt, ob und was ihr dazu zu sagen habt. Ob ihr meine Ansichten teilt oder völlig anders darüber denkt – gerne gerade auch aus Sicht von „Nicht-Bloggern“! Oh, und die Schneefotos wollte ich unbedingt noch mit euch teilen – und zwar bevor der Winter auch offiziell, und nicht nur in meinem Kopf und Herz, endlich adieu gesagt hat – für diese Saison.